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So schafft man es, ein Museum (Schmiedemuseum „Krell`sche Schmiede“®) sterben zu lassen....

1. Seit 1985 wurde im Erdgeschossbereich des Hauses Breite Straße 95 durch Rudolf und Peter Nüchterlein das Technische Denkmal der ehemaligen Niehoffschen Schmiede rekonstruiert. Aus über 300 Schmieden zwischen Ostsee und Thüringer Wald werden Arbeitsgegenstände zur Alltags- und Handwerksgeschichte zusammengetragen. Zu diesem Zeitpunkt besteht seitens der Stadt Wernigerode der Wille, das hieraus erwachsende Museum als kommunale Einrichtung zu tragen und die nötige Planstelle hierfür bereit zu stellen.

2. Im Sommer und Herbst 1989 zeichnet sich ab, dass die Stadt Wernige-rode von ihrem gegebenen Wort abweicht und auch Verhandlungen mit Vertretern der Kulturabteilung des Landkreises führen nur zu deren Aussagen, das Nüchterleins das Museum ja „privat“ eröffnen und führen könnten. Die im Oktober 1989 schriftlich erfolgte Protokollzusage, wonach Peter Nüchterlein nach einer Einarbeitungszeit eine Planstelle beim Landkreis bekommen soll, wird nie umgesetzt.

3. Am 1. September 1990 wurde das Museum eröffnet, als privat geführte Institution, da ein Ausstieg aus dem Vorhaben für die historische Räumlich-keit ihren Untergang bedeutet hätte. Sie wäre nach einer Umnutzung nie wieder in der Originalverfassung herzurichten. Mit der Stadt besteht ein Pachtvertrag, worin für die Nutzung des Erdgeschossbereiches zur Gewährleistung des musealen Betriebs monatlich 100,- DM seitens der Museumsbetreiber zu entrichten sind.

4. Das Ziel während der Modrow Regierung das Haus seitens der Museumsbetreiber käuflich zu erwerben, wurde durch die bearbeitenden Behörden so lange hinausgezogen, bis der Preis nicht mehr finanzierbar war.

5. Seit 1993 werden im Museum durch die Gesellschaft für historische Alltagsgeschichte e. V. Projekte zu Themen der Regional- und Ernährungsgeschichte mit Kindern und Jugendlichen regionaler Schulen realisiert. In den Medien wurde und wird immer wieder über die Koch- und Backprojekte im Museum berichtet. Die Stadt hat hiervon Kenntnis und gewährt alljährlich der Gesellschaft e.V. einen kleinen gebundenen Zuschuss für Sachmittel zur Umsetzung dieser Projekte.

6. Nach langen intensiven Verhandlungen wird 1992 ein Mietvertrag mit der Stadt abgeschlossen, der die 10 jährige Miete mit einer 5 jährigen Option sichert. Das Museum zahlt fortan Miete (100,00 DM) dafür, dass es Aktivitäten in die städtische Kulturlandschaft bringt.

7. Seit 1994 bemühen sich die Museumseigentümer um die Erweiterung der Museumsfläche im Hof des Grundstückes, da sich das hiesige Areal als eines der wenigen darstellt, welches noch die sozialen Komponente der Handwerkerfamilie aufweisen kann. Es werden im Hof zwei überdachte Freiflächen geschaffen.

8. Zur denkmalgerechten Wiederherstellung des Hofes beantragen die Museumsbetreiber Gelder bei Stadt und Bund, werden jedoch von ersterer ausgebremst.

9. Im Jahr 1996 erhält die Stadt Fördermittel zur Denkmalsanierung mit einer 10 jährigen kulturellen Nutzungsverpflichtung. Im Rahmen der Freilenkung des Hauses (bisher gab es noch Mieter im Haus) wird zwischen Museum und der Stadt als Hauseigentümer mündlich vereinbart, dass nach der Rekonstruktion das Schmiedemuseum die oberen Etagen zur Umsetzung ihrer Sonderausstellungen kostenlos nutzen soll. Im weiteren Ablauf wird seitens der Stadt ein Mietvertragsentwurf zugesandt, worin bei Abschluss des neuen Mietvertrages (Ergänzung um die oberen Etagen) monatlich 2.000,- DM fällig seien. Es wird jedoch Großzügigerweise eingeräumt, solange das Schmiedemuseum sich zu einem „Museum“ etabliert (man gewährt 2 Jahre) wären nur 1.000,- DM monatlich fällig.

10. Auf Grund dieses „großzügigen Angebotes“ lehnen die Museums-eigentümer den Abschluss eines neuen Mietvertrages ab und somit werden die oberen Etagen an Dritte (Vereine) kostenfrei vermietet. Um diesen einen Zugang zu ermöglichen wird im Hof eine Treppe an Stelle der bisherigen museal genutzten überdachten Freifläche gesetzt.

11. Die Jahre 1997 bis 2000 sind immer mit kleineren Differenzen zwischen der Vermieterin und den Museumseigentümern versehen.

12. Im Sommer 2002 wird durch einen im Haus befindlichen Mieter eine Kampagne gegen die Museumsarbeit gestartet. Durch diese öffentlichen Publikationen werden Behörden auf Stadt und Landkreisseite aktiv. Im Oktober 2002 erscheinen plötzlich vom Landkreis die Feuerwehr, die Hygiene, die Bauaufsichtsbehörde, von der Stadt das Gewerbeamt, die Denkmalpflege und die Abteilung Kultur. Man verbietet mit sofortiger Wirkung die Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die mit 90 % durch die seit einem Jahrzehnt bekannten Koch- und Backprojekte beinhalten. Ebenso wird die Nutzung des Kellers als Veranstaltungsraum untersagt. Begründung: es fehle der Fluchtweg. Bei Zuwiderhandlung drohen zwischen 5.000,- und 50.000,- € Strafe.

13. Hinsichtlich der Museumsküche werden seitens der Museums-eigentümer Vorschläge gemacht, die historische Küche in einen dem Jahre 2002 entsprechenden Standart umzuwandeln, was empört von der Denkmalpflege abgelehnt wird. Es wird daraufhin die Umwidmung der bisherigen Büroräume in Küchenräume mit modernster Ausstattung (was dem Sinn des historischen Kochen und Backens jedoch widerspricht) auf eigene Kosten zu realisieren beantragt. Dies wird damit abgelehnt, dass nur Unternehmen Bauleistungen vornehmen dürfen, die von städtischer Seite angenommen werden und keine Privatpersonen. Eine Chance diese zu erreichen lag bei Null. Damit fanden die ernährungsgeschichtlichen Projekte im Museum ihr Ende, nachdem über 20.000 Kinder und Jugendliche hieran teilgenommen hatten.

14. Ebenfalls wird seitens der Museumseigentümer der Bau eines Notausganges im Keller auf eigene Kosten vorgeschlagen. Erwiderung der Stadt, da müssten alle Kosten wie Gasleitung, Wasser etc. die sich mit Arbeiten am Fußweg in Verbindung bringen ließen auch durch das Museum getragen werden. Man kalkuliert das Vorhaben bei 20.000,- €. Eine Summe, die das Museum nie aufbringen könnte. Außerdem gab es keine Genehmigung der Denkmalpflege den Fußweg für dieses Vorhaben zu nutzen.

15. Im Jahr 2003 wurde dann nach langen Verhandlungen mit den Baubehörden eine Umwidmung des Kellers zur musealen Nutzung gestattet unter der Maßgabe, dass nicht mehr als drei Besucher gleichzeitig in den Keller dürfen.

16. Um nun jedoch Nutzflächen für die weitere Arbeit mit Schülern zu schaffen wurde das Konzept entwickelt, im Hofbereich, direkt hinter dem Werkstattsausgang einen sogenannten Wintergarten zu errichten. Hierfür wurde von einem Architekturbüro der Gesamtbau entworfen und im März 2003 bei der Stadt als Vermieterin und bauaufsichtsführende Behörde eingereicht. Die Kosten für diesen Bau wollten die Museumsbetreiber aus eigener Tasche bezahlen, es wurden keine Fördermittel beantragt. Obwohl die Antragsteller im April, Mai und Juni von einer Behörde zur anderen geschickt worden, fühlte sich niemand zuständig. Im Juni kam dann der Vorschlag, das Vorhaben doch vor dem Kulturausschuss des Stadtparlamentes vorzutragen. Dieser bezeichnete sich aber als nicht zuständig. Nun hatte das Museum vertragliche Verpflichtungen, da ½ Jahr später, im September gleichen Jahres, binnen vier Wochen aus drei Schulen über 150 Schüler hier an thematischen Projekten teilnehmen wollten. Aus diesem Grund wurde von Nüchterleins auf eigene Kosten ein Wintergarten in abgespeckter Form auf das Hofgelände gesetzt.

17. Am 1. September 2003 kam es zur Vorstellung des Antrages vom März 2003 an die Stadtverwaltung und es wurde hierauf nicht eingegangen, sondern nur öffentlich festgestellt, dass hier ein „Schwarzbau“ erfolgt sei. Unter diesen Gegebenheiten würde man sich dazu aber nicht äußern wollen. Es wurde allerdings eine Abstimmung innerhalb des Kultur-ausschusses vorgenommen, ob man am Erhalt des Schmiedemuseums interessiert sei und mit den Stimmenthaltungen der CDU Fraktion wurde das Votum zu Gunsten des Museums ausgesprochen.

18. Im Oktober 2003 kam dann die städtische Baubehörde auf den Museumshof und begutachtete den Wintergarten. Kurze Zeit später kam, nicht wie erhofft ein Hinweis, was abzuändern wäre oder was ergänzt werden muss, um den technischen und sicherheitsrelevanten Aspekten eines derartigen Baues gerecht zu werden, sondern die Abriss-Aufforderung bis zum 30. November 2003 unter Androhung einer Ersatzvorwegnahme.

19. Daraufhin wurde die Stadt noch einmal angeschrieben, in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, worin beklagt wird, dass die Kommune als Baubehörde und gleichzeitiger Eigentümer keine Anstalten machte, den Museumseigentümern als Mieter des Grundstückes Hilfestellung zu geben. Selbst eine Abrissaufforderung mit anschließender gemeinsamer Begehung und fachlicher Beratung zum Wiederaufbau wäre noch tragbar gewesen, aber es erfolgte keine Reaktion.

20. Der offene Brief wurde an die regionale Zeitung, die Volksstimme, geschickt und mehrere Tage nicht abgedruckt. Erst auf Anfrage erschien dieser Brief zeitgleich mit einer Erwiderung des Oberbürgermeisters, worin dem Museum lapidar Eigenmächtigkeiten vorgeworfen wurden, jedoch nicht in einem Satz auf die erhebliche Verzögerungen in der Bearbeitung der Anträge seitens der Kommune eingegangen wurde.

21. Die eingeschaltete Bildzeitung war zwar vor Ort und machte Fotos, wurde dann jedoch vermutlich zurück gepfiffen und es ward nichts mehr von ihr gehört.

22. Am 29. November wurde der Wintergarten unter Beiwohnung der Öffentlichkeit abgerissen.

23. Seit 2002 wurde seitens des Museums gegenüber der Stadt der Gesprächbedarf hinsichtlich der vorzeitigen Verlängerung des Mietvertrages um weitere zehn Jahre zzgl. fünf Jahre Option angemeldet. Dies war immer damit begründet, dass Investitionssicherheit bestehen muss, was bei nur noch 5 Jahren Mietbindung nicht gegeben sei. Es gab noch im Sommer 2002 anbahnende Gespräche, die jedoch durch Zuständigkeitswechsel in der Verwaltung dann zum Erliegen kamen. Im Oktober 2003 bei der Begehung durch das Liegenschaftsamt wurde festgestellt, dass es derzeit keinen Bedarf zur Abänderung des Mietvertrages gebe, bis 30.9. 2007 laufe dieser und danach werde man ortsübliche Mieten geltend machen. (Dies würde pro qm zwischen 5,- und 10,- € liegen = die Miete würde sich dann von derzeit 51,13 € auf ca. 500,- € monatlich steigern lassen) Es kommt hier bereits der Verdacht auf, dass die Stadt an einer Fortsetzung des Mietvertrages nach 2007 nicht interessiert scheint.

24. Im Oktober 2004 wird ein Antrag an den Kulturausschuss der Stadt gestellt, worin um die mietfreie Nutzung der Räumlichkeiten per 1.1.2005 gebeten wird, da das Museum mit niedrigen Besucherzahlen zu kämpfen hat und alle Projektarbeit (sie machte 50 % der Einnahmen aus) durch Verbote seitens der Stadt still gelegt wurde. Das Museum wird seit seiner Eröffnung nur aus den Eintrittsgeldern finanziert. Ebenso wurde nochmals um die vorzeitige Verlängerung des Mietvertrages gebeten. Der Antrag wurde im Kulturausschuss besprochen, jedoch an Verhandlungen hierzu zuforderst Forderungen an die Museumseigentümer gestellt: Durchgang zu den oberen Etagen durch die dortigen Mieter (Vereine) und deren Gäste durch das Schmiedemuseum, Gewährleistung von längeren Öffnungszeiten des Museums, Zusammenarbeit mit dem kommunalen Museum und Schaffung eines „Museum“ in den Räumlichkeiten des Museums durch eine veränderte inhaltliche Arbeit des Museums (dies erinnerte an die Forderungen von 1996 bezüglich der Obergeschosse).

25. Es gab zwar Gespräche mit dem Kulturausschussvorsitzenden und dem Kulturamt, aber es kam hier zu keinen weiteren Ergebnissen, da man Forderungen an das Museum stellte, die aus Kosten- und sicherheitsrelevanten Gründen nicht umsetzbar sind. Das Museum hat regelmäßig samstags von 10.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, da sich zu diesem Zeitpunkt Museumsbesucher einfinden sowie oft zusätzlich nach freier und flexibler Entscheidung je nach Wetter und Besucherlage in der Stadt. Eine weitere Öffnung auf privater Basis zu realisieren ist ohne Kostenbeteiligung seitens der Kommune nicht realisierbar. Diese jedoch von der Kommune zu bekommen, ist nicht denkbar. Es kommt also auch in diesem Anlauf nicht zur Verlängerung des Mietvertrages. Es wird allerdings der Hinweis gegeben, dass die Forderung des Kulturausschusses, eine inhaltliche Veränderung im Museum zu bewirken dahingehend ausgelegt werden könnte, dass diese eine Basis für weitere bauliche Veränderungen im Hofbereich sein könnten und dies gegenüber der Baubehörde so dargestellt werden sollte.

26. Es folgt ein erneutes Anschreiben vom Museum an die Baubehörde, mit der Bitte hier vor Ort eine Beratung vom Vermieter zu erhalten, um die Arbeit mit den Schülern wieder in Räumlichkeiten umsetzen zu können, die auch widrigsten Witterungen stand halten. (Die Schmiede hat im Herbst und Winter Außentemperaturen und ist nicht beheizbar). Drei Monate dauert es, bis eine Antwort kommt, die keinerlei Bezug auf die Anfrage nimmt, sondern nur lapidar die Forderungen des Kulturausschusses bezüglich der Museumsarbeit wiederholt.

27. Anfang 2006 wurden alle Fraktionen im Wernigeröder Stadtparlament von den Museumsbetreibern schriftlich gebeten, sich in die verfahrene Situation einzubringen und dafür Sorge zu tragen, dass diese lokale Stätte der Kultur und Geschichtsbewahrung erhalten bleibt und dies seitens der Stadt durch eine Mietvertragsverlängerung unter bestehenden Bedingungen sichergestellt wird. Hierauf erfolgte bis heute keine Reaktion. Es wurde gleichwohl den Stadträten verdeutlicht, dass es Kräfte gibt ( vermutlich u.a. Mieter im Hause), welche aktiv daran arbeiten das Museum aus dem Haus zu vertreiben und einen erneuten Mietvertrag zu verhindern. Man vergaß bei dieser treibenden Kraft, dass das Museum privat ist und wenn es schließt sämtliche Musealien und Zeitzeugnisse mitgenommen werden. Dann ist das Haus gesichts- und geschichtslos.

28. Im April 2006 drängten die Museumsbetreiber im Kulturamt der Stadt auf ein Gespräch mit dem Wernigeröder Bürgermeister bzw. zu einer Themendiskussion in der lokalen Dezernentenrunde. Dies wird seitens der Stadt gewährt, mit dem Ergebnis, dass die Arbeit und das Sammlungskonzept des Museums in Frage gestellt werden und dem Museum erst einmal empfohlen wird, alles zu sammeln und zu systematisieren. Man hatte vergessen, dass das Museum im Originalzustand der Epoche 1945 - 55 und nicht mit weißer Wand und Vitrine gezeigt wird. Aber das kommt davon, wenn man sich diese Einrichtung das letzte Mal vor vielen Jahren angesehen hat und dann auch nicht über das museologische Konzept mit dem Betreibern spricht. Wiederholt wird vor einer weiteren Mietvertragsverhandlung seitens der Stadt der freie Durchgang durch die Erdgeschosszone für die oberen Mietparteien gefordert. Es bleibt wiederholt unbeachtet, dass das Museum eine Erwerbsquelle ist und jeder der reinkommt Eintritt zahlen muss, da von den Einnahmen die Miete an die Stadt und die Fixkosten bestritten werden müssen. Weiterhin ist es unmöglich, der Stadtverwaltung die sicherheitstechnischen Probleme verständlich zu machen, da sie einfach davon ausgeht, dass nichts geklaut werden könnte, wenn unten ein freier Zugang ermöglicht würde. Aus versicherungs- und haftungsrechtlichen Gründen ist ein offenes Museum nicht tragbar.

29. Unterdessen werden seit 2004 wieder verstärkte Projekte mit den Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Landkreisen realisiert. Insbesondere die Arbeit mit Sonder- und Förderschülern bekommt einen erhöhten Stellenwert, da die Teilnehmer durch die aktive praktische Arbeit mit ihren Tast- und Sinnesfunktionen Geschichte erlebbar vermittelt bekommen. Diese Veranstaltungen werden allerdings nur teilweise während der Sommermonate) im Museum, sonst jedoch in den Schulen realisiert.

30. Während der o.g. Dezernentenrunde wird gegenüber den Museums-eigentümern wiederholt vom Oberbürgermeister Art und Weise der Museumstätigkeit kritisiert und unter anderem angedeutet, dass nur bei einer veränderten Haltung seitens der Museumsbetreiber hinsichtlich der Durchgangsfrage eine Mietverlängerung in Frage käme. Die Zustandsform des Hofgeländes werden seitens der Stadtverwaltung kritisiert. Daraufhin erwidern die Museumseigentümer, dass seit Jahren auf die baulichen Gefahren, welche vom Nachbargebäude ausgehen hingewiesen wurde und sich bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts getan hätte. Dies wird seitens des Oberbürgermeisters an das zuständige Baudezernat weitergeleitet, allerdings getan hat sich bis heute immer noch nichts.

31. Auf Empfehlung des Oberbürgermeisters soll es eine Gesprächsrunde zwischen Kulturamt, den Museumseigentümern und den weiteren Vereinen im Haus Breite Straße 95 durchgeführt werden. Hierbei geht es um die Frage, gewährt das Museum den Durchgang, dann könnte man über einen Mietvertragsverlängerung reden oder nicht. Bis zum September 2006 sollen diese Fragen geklärt werden und in der ersten Stadtratssitzung nach den Sommerferien durch die Abgeordneten über den Mietvertrag entschieden werden.

32. Daraufhin kam es am 28. April 2006 zum ersten und am 31. Mai zum zweiten Gespräch zwischen den Mietern im Haus und dem Kulturamt. Die anderen Mieter drängen bei beiden Treffen auf den freien Zugang durch das Museum und wenn das nicht ginge, dann könnte und würde man das Haus auch ohne das Museum zu nutzen wissen. Allerdings wird eingeräumt, dass in keinem der beteiligten Vereine Fach- oder Personalkräfte da wären, die dies auch später umsetzen könnten und die eine qualitative und quanti-tative Öffnung des Hauses über 10 bis 15 Jahre gewährleisten können, so wie es die Museumsbetreiber garantieren (bezogen allerdings nur auf den Erdgeschossbereich der Schmiede mit dem angeschlossenen Hof). Insbesondere der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. arbeitet den Bestrebungen des Museums entgegen seine Arbeiten als private Institution fortzusetzen, da es von dortiger Seite Vorstellungen gibt, das gesamte Haus (u.a. über 1-Euro Kräfte) selber zu bewirtschaften.

33. In all den Verhandlungen wird von Seiten des Museums auf die rechtlichen Bedenken hingewiesen und es zeichnet sich ab, dass dies niemand verstehen will oder kann. Die Aussage seitens des Kulturamtes, den Juristen der Stadt mit der Klärung haftungsrechtlicher Fragen zu beauftragen, immerhin müssten bei einem öffentlichen Durchgang der anderen Mieter und ihrer Gäste Versicherungsfragen geklärt sein, endet dahingehend, dass der Jurist keine einwandfreie Klärung herbeiführen kann, wer denn für Haftungsschäden aufkommt, da das Museum eine privat geführte Einrichtung ist. Auch die Frage einer höheren Öffnungszeit ist nicht zu diskutieren, da sonst in dem 1-Mann Museum die Archivierungs-, Forschungs- und vor allem die Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen gegen Null gefahren werden müsste, obschon nicht gesichert ist, dass hierdurch mehr Museumsbesucher kommen würden.

34. Es fällt schwer nachzuvollziehen, warum eine Kommune ihre eigene Kultur, welche auch noch privat initiiert und getragen wird, derart boykottiert und in ihrer Existenz behindert.

35. Während das Museum während dieser Gespräche Kooperationsgedanken zwischen den einzelnen Mietern im Haus vorgetragen hat, kam von keinem anderen Mieter ein Vorschlag für eine inhaltliche Zusammenarbeit. Es wurde von allen Parteien nur der freie Durchgang durch die Museumszone gefordert.

36. Im Protokoll der Sitzung vom 31. 05. 2006 wird jedoch ein Ergebnis niedergeschrieben, es soll im Juli 06 noch Gespräche im geschlossenen Beratungsteil des Wernigeröder Kulturausschusses geben, zu der nur die Museumsbetreiber hinzugeladen werden, um noch einmal gegenüber den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Allerdings zeichnet sich nicht ab, dass von dort ein Umlenken erfolgt, denn alle wollen nur den Durch-gang durch das Museum haben und das ist das einzige Mittel, um eine Fortsetzung des Mietvertrages zu verhindern, denn das Museum kann derartigen Bestrebungen nie zustimmen. Die Vermutung taucht auf, dass es unter diesen Begebenheiten aber ein leichtes sein wird, von städtischer Seite es so darzustellen, dass „sie“ ja verlängern wollte, aber das Museum einfach zu verbohrt war und nicht auf die „Wünsche“ der Stadt eingegangen ist. Anders formuliert, das durch einen Diplom-Museologen aufgebaute und 16 Jahre unterhaltene Museum sollte nicht seinen verbohrten museologischen Vorstellungen nachstreben, sondern sich der „öffentlichen“ (städtischen)Vorstellung unterwerfen. (Nur bemerkenswert, die Besucher des Museums sind gerade von dieser authentischen und museologisch durchdachten Geschichtsdarstellung so begeistert.)

37. Schlussfolgerung zu diesem Zeitpunkt: Die Suche nach einer anderen Ausstellungsstätte entbehrt fast jeder Diskussion, weil nur hier vor Ort rund 300 Jahre in Familientradition dieses Handwerk der Schmiede ausgeübt wurde und es somit die älteste noch funktionstüchtig erhaltene Schmiede Deutschlands ist. Somit wird es, auch wenn es museologischen Prinzipien widerspricht, zur kompletten Beräumung der heutigen Museumsfläche kommen, denn ein Einlenken von kommunaler Seite scheint aussichtslos.

38. Am 03.07.06 findet diese Kulturausschusssitzung statt, zu der die Museumseigentümer lt. Protokoll der Beratung vom 31. 05. 06 eingeladen sind, um Rede und Antwort zu stehen.

39. Der Diplom-Museologe Peter Nüchterlein bekommt zu Beginn des geschlossenen Teils die Gelegenheit einer kurzen Ansprache. Im geschlossenen Teil befindet sich allerdings auch der Geschäftsführer des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e. V. als Außenstehender. Daraufhin wird vom Museumsdirektor vorgetragen, dass die Stadträte eine einmalige und unwiederbringliche Chance haben, durch ein positives Votum hinsichtlich der Verlängerung des Mietvertrages unter den bestehenden Konditionen dieses einzigartige Museum in seinem Bestand vor Ort zu erhalten. Das Museum hat seit vielen Jahren ein breites Spektrum an Angeboten realisiert, von der Forschung über die Projektarbeit als außerschulischer Lernort bis hin zur Öffnung des Museums für die Öffentlichkeit. Dies wurde alles auf der Basis von persönlicher Freizeit, bürgerlichen Engagement und privater Finanzierung realisiert.

40. Auf die Frage des Ausschussvorsitzenden, ob es Fragen oder Erwiderungen gäbe erfolgte keine Reaktion seitens der Stadträte. Merkwürdiger Weise bekam im geschlossenen Teil ein Außenstehender, welcher die Museumseigentümer persönlich nicht kennt und vermutlich auch das Museum noch nicht selber besucht hat, Rederecht. Der Geschäftführer des LHB e.V. (Landesheimatbundes – ein institutionell geförderter Verein, welcher für den Erhalt und die Bewahrung von Kultur und Brauchtum in Sachsen-Anhalt zuständig ist) meldete sich zu Wort und meinte, dass er gegen niemanden reden und Krieg führen wollte, aber es müsse gesagt werden, dass er seit 10 Monaten im Dienst (Dienstsitz Halle a.d. Saale) sei und mittlerweile 20 mal vor Ort (in Wernigerode) gewesen wäre, dass ihn aber die sporadische Öffnungszeit (des Museums) verwundere, immerhin sei dieses Gebäude das erste kulturelle Haus vor Ort. Man sei ja auch aktiv im Haus und dies würde noch viel besser gehen, wenn man durch den Hauptdurchgang im Erdgeschoss und nicht über die bisherige Treppenlösung im Hof gehen könnte. Über den weiteren Verlauf des geschlossenen Sitzungsteils und das Votum der Abgeordneten pro oder kontra, wurde den Betreiber des Schmiedemuseum „Krell´sche Schmiede“® nie etwas bekannt.

41. Am 18. 07.06 kam dann über das Amt 40, Amt für Kultur, Schule und Sport ein Brief des Herrn Oberbürgermeister, worin er mitteilt, dass die Stadt den seit 1992 bestehenden Mietvertrag über die Ablauffrist vom 30. 09. 2007 nicht weiter verlängert. Die Betreiber haben zu diesem Zeitpunkt die gesamte Räumlichkeit des heutigen Museums geräumt zu übergeben.
Lesen sie hier den Originalbrief (PDF-Dokument)

42. Es ist somit eingetreten, was sich seit 2002 abzeichnete.

43. Allerdings gibt die Chronologie und inhaltliche Abfolge der Aktivitäten seitens der Stadt Wernigerode deutlich zu denken.

44. Betrachtet man das Umfeld dieser Entscheidungen, so lassen sich Vermutungen anstellen, deren quellenmäßige Belegung noch weiter zu hinterfragen sind. Welche unrühmliche Rolle spielt der Landesheimatbund, welcher im Vorfeld mit der Stadt und vermutlich weiteren Dritten Verhandlungen zur weiteren Hausnutzung und der Übernahme des Gesamthauses geführt hat. Es sei die Frage erlaubt, ob der Landesheimatbund e. V. mit seiner Haltung nicht gegen seine eigene Satzung verstoßen hat, in Sachsen-Anhalt bürgerschaftliches Engagement und Kultur zu erhalten, statt sie der Vernichtung preiszugeben? Eine weitere Frage dürfte sicherlich bei der Landesregierung in Magdeburg auftauchen. Hier wurden im Jahr 1996 ca. 2 Mio. DM an Landesmitteln aufgewendet, um der in diesem Haus befindlichen kulturellen und musealen Institution (das Schmiedemuseum) aus baulicher Sicht langfristig Bestand zu geben. Nun aber wird die Einrichtung herausgedrängt, welche über 16 Jahre dem Haus Inhalt und Ausdruck gegeben hat. Ist dies eine Entscheidung im Sinne der Steuerzahler?

45. Schlussendlich werden sich vielleicht nur einige wenige für das Museum und seinen Fortbestand einsetzen, und dies schafft ein Armutszeugnis für die Stadt Wernigerode, welche sich den Erhalt und die Bewahrung von Kultur und Tradition einst zum Ziel gesetzt hatte. Es dürfte damit die Chance vergeben sein, in Deutschlands ältester Schmiede, den Originalzustand einer geschichtsträchtigen Epoche (1945 – 1955) für die kommenden Generationen zu erhalten, denn wenn die jetzigen Museumsbetreiber gehen, werden mit Ihnen nicht nur die gesammelten Musealien verloren gehen, sondern auch Personen, welche sich der Bewahrung regionaler Alltagsgeschichtliche und Brauchtumspflege verschrieben haben. Bedenklich ist, dass mit der Vernichtung kultureller Werte einer Region Teile ihrer Identität genommen werden.

46. Für das Museum wird ein Weggang aus Deutschland nicht ausgeschlossen bleiben, da es in anderen Regionen vielleicht mehr Aufmerksamkeit und Interesse am Erhalt einer derart historischen Sammlung gibt.


Nun zum Abschluss möchten wir als Museumsbetreiber uns bei all denen bedanken, welche die Arbeit des Museums in den letzten Jahren aktiv unterstützt haben und hoffen, dass die nachfolgende Generation ihre Vorfahren und deren Entscheidungen zu diesem Thema mit kritischeren Augen betrachten, wie man einst so kleinbürgerlich und provinziell denken und handeln konnte.

Rudolf Nüchterlein Diplom-Museologe Peter Nüchterlein
Wernigerode im August 2006
   
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