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So schafft man es, ein Museum (Schmiedemuseum „Krell`sche
Schmiede“®) sterben zu lassen....
1. Seit 1985 wurde im Erdgeschossbereich des Hauses Breite
Straße 95 durch Rudolf und Peter Nüchterlein das
Technische Denkmal der ehemaligen Niehoffschen Schmiede rekonstruiert.
Aus über 300 Schmieden zwischen Ostsee und Thüringer
Wald werden Arbeitsgegenstände zur Alltags- und Handwerksgeschichte
zusammengetragen. Zu diesem Zeitpunkt besteht seitens der
Stadt Wernigerode der Wille, das hieraus erwachsende Museum
als kommunale Einrichtung zu tragen und die nötige Planstelle
hierfür bereit zu stellen.
2. Im Sommer und Herbst 1989 zeichnet sich ab, dass die Stadt
Wernige-rode von ihrem gegebenen Wort abweicht und auch Verhandlungen
mit Vertretern der Kulturabteilung des Landkreises führen
nur zu deren Aussagen, das Nüchterleins das Museum ja
„privat“ eröffnen und führen könnten.
Die im Oktober 1989 schriftlich erfolgte Protokollzusage,
wonach Peter Nüchterlein nach einer Einarbeitungszeit
eine Planstelle beim Landkreis bekommen soll, wird nie umgesetzt.
3. Am 1. September 1990 wurde das Museum eröffnet, als
privat geführte Institution, da ein Ausstieg aus dem
Vorhaben für die historische Räumlich-keit ihren
Untergang bedeutet hätte. Sie wäre nach einer Umnutzung
nie wieder in der Originalverfassung herzurichten. Mit der
Stadt besteht ein Pachtvertrag, worin für die Nutzung
des Erdgeschossbereiches zur Gewährleistung des musealen
Betriebs monatlich 100,- DM seitens der Museumsbetreiber zu
entrichten sind.
4. Das Ziel während der Modrow Regierung das Haus seitens
der Museumsbetreiber käuflich zu erwerben, wurde durch
die bearbeitenden Behörden so lange hinausgezogen, bis
der Preis nicht mehr finanzierbar war.
5. Seit 1993 werden im Museum durch die Gesellschaft für
historische Alltagsgeschichte e. V. Projekte zu Themen der
Regional- und Ernährungsgeschichte mit Kindern und Jugendlichen
regionaler Schulen realisiert. In den Medien wurde und wird
immer wieder über die Koch- und Backprojekte im Museum
berichtet. Die Stadt hat hiervon Kenntnis und gewährt
alljährlich der Gesellschaft e.V. einen kleinen gebundenen
Zuschuss für Sachmittel zur Umsetzung dieser Projekte.
6. Nach langen intensiven Verhandlungen wird 1992 ein Mietvertrag
mit der Stadt abgeschlossen, der die 10 jährige Miete
mit einer 5 jährigen Option sichert. Das Museum zahlt
fortan Miete (100,00 DM) dafür, dass es Aktivitäten
in die städtische Kulturlandschaft bringt.
7. Seit 1994 bemühen sich die Museumseigentümer
um die Erweiterung der Museumsfläche im Hof des Grundstückes,
da sich das hiesige Areal als eines der wenigen darstellt,
welches noch die sozialen Komponente der Handwerkerfamilie
aufweisen kann. Es werden im Hof zwei überdachte Freiflächen
geschaffen.
8. Zur denkmalgerechten Wiederherstellung des Hofes beantragen
die Museumsbetreiber Gelder bei Stadt und Bund, werden jedoch
von ersterer ausgebremst.
9. Im Jahr 1996 erhält die Stadt Fördermittel zur
Denkmalsanierung mit einer 10 jährigen kulturellen Nutzungsverpflichtung.
Im Rahmen der Freilenkung des Hauses (bisher gab es noch Mieter
im Haus) wird zwischen Museum und der Stadt als Hauseigentümer
mündlich vereinbart, dass nach der Rekonstruktion das
Schmiedemuseum die oberen Etagen zur Umsetzung ihrer Sonderausstellungen
kostenlos nutzen soll. Im weiteren Ablauf wird seitens der
Stadt ein Mietvertragsentwurf zugesandt, worin bei Abschluss
des neuen Mietvertrages (Ergänzung um die oberen Etagen)
monatlich 2.000,- DM fällig seien. Es wird jedoch Großzügigerweise
eingeräumt, solange das Schmiedemuseum sich zu einem
„Museum“ etabliert (man gewährt 2 Jahre)
wären nur 1.000,- DM monatlich fällig.
10. Auf Grund dieses „großzügigen Angebotes“
lehnen die Museums-eigentümer den Abschluss eines neuen
Mietvertrages ab und somit werden die oberen Etagen an Dritte
(Vereine) kostenfrei vermietet. Um diesen einen Zugang zu
ermöglichen wird im Hof eine Treppe an Stelle der bisherigen
museal genutzten überdachten Freifläche gesetzt.
11. Die Jahre 1997 bis 2000 sind immer mit kleineren Differenzen
zwischen der Vermieterin und den Museumseigentümern versehen.
12. Im Sommer 2002 wird durch einen im Haus befindlichen Mieter
eine Kampagne gegen die Museumsarbeit gestartet. Durch diese
öffentlichen Publikationen werden Behörden auf Stadt
und Landkreisseite aktiv. Im Oktober 2002 erscheinen plötzlich
vom Landkreis die Feuerwehr, die Hygiene, die Bauaufsichtsbehörde,
von der Stadt das Gewerbeamt, die Denkmalpflege und die Abteilung
Kultur. Man verbietet mit sofortiger Wirkung die Projektarbeit
mit Kindern und Jugendlichen, die mit 90 % durch die seit
einem Jahrzehnt bekannten Koch- und Backprojekte beinhalten.
Ebenso wird die Nutzung des Kellers als Veranstaltungsraum
untersagt. Begründung: es fehle der Fluchtweg. Bei Zuwiderhandlung
drohen zwischen 5.000,- und 50.000,- € Strafe.
13. Hinsichtlich der Museumsküche werden seitens der
Museums-eigentümer Vorschläge gemacht, die historische
Küche in einen dem Jahre 2002 entsprechenden Standart
umzuwandeln, was empört von der Denkmalpflege abgelehnt
wird. Es wird daraufhin die Umwidmung der bisherigen Büroräume
in Küchenräume mit modernster Ausstattung (was dem
Sinn des historischen Kochen und Backens jedoch widerspricht)
auf eigene Kosten zu realisieren beantragt. Dies wird damit
abgelehnt, dass nur Unternehmen Bauleistungen vornehmen dürfen,
die von städtischer Seite angenommen werden und keine
Privatpersonen. Eine Chance diese zu erreichen lag bei Null.
Damit fanden die ernährungsgeschichtlichen Projekte im
Museum ihr Ende, nachdem über 20.000 Kinder und Jugendliche
hieran teilgenommen hatten.
14. Ebenfalls wird seitens der Museumseigentümer der
Bau eines Notausganges im Keller auf eigene Kosten vorgeschlagen.
Erwiderung der Stadt, da müssten alle Kosten wie Gasleitung,
Wasser etc. die sich mit Arbeiten am Fußweg in Verbindung
bringen ließen auch durch das Museum getragen werden.
Man kalkuliert das Vorhaben bei 20.000,- €. Eine Summe,
die das Museum nie aufbringen könnte. Außerdem
gab es keine Genehmigung der Denkmalpflege den Fußweg
für dieses Vorhaben zu nutzen.
15. Im Jahr 2003 wurde dann nach langen Verhandlungen mit
den Baubehörden eine Umwidmung des Kellers zur musealen
Nutzung gestattet unter der Maßgabe, dass nicht mehr
als drei Besucher gleichzeitig in den Keller dürfen.
16. Um nun jedoch Nutzflächen für die weitere Arbeit
mit Schülern zu schaffen wurde das Konzept entwickelt,
im Hofbereich, direkt hinter dem Werkstattsausgang einen sogenannten
Wintergarten zu errichten. Hierfür wurde von einem Architekturbüro
der Gesamtbau entworfen und im März 2003 bei der Stadt
als Vermieterin und bauaufsichtsführende Behörde
eingereicht. Die Kosten für diesen Bau wollten die Museumsbetreiber
aus eigener Tasche bezahlen, es wurden keine Fördermittel
beantragt. Obwohl die Antragsteller im April, Mai und Juni
von einer Behörde zur anderen geschickt worden, fühlte
sich niemand zuständig. Im Juni kam dann der Vorschlag,
das Vorhaben doch vor dem Kulturausschuss des Stadtparlamentes
vorzutragen. Dieser bezeichnete sich aber als nicht zuständig.
Nun hatte das Museum vertragliche Verpflichtungen, da ½
Jahr später, im September gleichen Jahres, binnen vier
Wochen aus drei Schulen über 150 Schüler hier an
thematischen Projekten teilnehmen wollten. Aus diesem Grund
wurde von Nüchterleins auf eigene Kosten ein Wintergarten
in abgespeckter Form auf das Hofgelände gesetzt.
17. Am 1. September 2003 kam es zur Vorstellung des Antrages
vom März 2003 an die Stadtverwaltung und es wurde hierauf
nicht eingegangen, sondern nur öffentlich festgestellt,
dass hier ein „Schwarzbau“ erfolgt sei. Unter
diesen Gegebenheiten würde man sich dazu aber nicht äußern
wollen. Es wurde allerdings eine Abstimmung innerhalb des
Kultur-ausschusses vorgenommen, ob man am Erhalt des Schmiedemuseums
interessiert sei und mit den Stimmenthaltungen der CDU Fraktion
wurde das Votum zu Gunsten des Museums ausgesprochen.
18. Im Oktober 2003 kam dann die städtische Baubehörde
auf den Museumshof und begutachtete den Wintergarten. Kurze
Zeit später kam, nicht wie erhofft ein Hinweis, was abzuändern
wäre oder was ergänzt werden muss, um den technischen
und sicherheitsrelevanten Aspekten eines derartigen Baues
gerecht zu werden, sondern die Abriss-Aufforderung bis zum
30. November 2003 unter Androhung einer Ersatzvorwegnahme.
19. Daraufhin wurde die Stadt noch einmal angeschrieben, in
einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, worin beklagt
wird, dass die Kommune als Baubehörde und gleichzeitiger
Eigentümer keine Anstalten machte, den Museumseigentümern
als Mieter des Grundstückes Hilfestellung zu geben. Selbst
eine Abrissaufforderung mit anschließender gemeinsamer
Begehung und fachlicher Beratung zum Wiederaufbau wäre
noch tragbar gewesen, aber es erfolgte keine Reaktion.
20. Der offene Brief wurde an die regionale Zeitung, die Volksstimme,
geschickt und mehrere Tage nicht abgedruckt. Erst auf Anfrage
erschien dieser Brief zeitgleich mit einer Erwiderung des
Oberbürgermeisters, worin dem Museum lapidar Eigenmächtigkeiten
vorgeworfen wurden, jedoch nicht in einem Satz auf die erhebliche
Verzögerungen in der Bearbeitung der Anträge seitens
der Kommune eingegangen wurde.
21. Die eingeschaltete Bildzeitung war zwar vor Ort und machte
Fotos, wurde dann jedoch vermutlich zurück gepfiffen
und es ward nichts mehr von ihr gehört.
22. Am 29. November wurde der Wintergarten unter Beiwohnung
der Öffentlichkeit abgerissen.
23. Seit 2002 wurde seitens des Museums gegenüber der
Stadt der Gesprächbedarf hinsichtlich der vorzeitigen
Verlängerung des Mietvertrages um weitere zehn Jahre
zzgl. fünf Jahre Option angemeldet. Dies war immer damit
begründet, dass Investitionssicherheit bestehen muss,
was bei nur noch 5 Jahren Mietbindung nicht gegeben sei. Es
gab noch im Sommer 2002 anbahnende Gespräche, die jedoch
durch Zuständigkeitswechsel in der Verwaltung dann zum
Erliegen kamen. Im Oktober 2003 bei der Begehung durch das
Liegenschaftsamt wurde festgestellt, dass es derzeit keinen
Bedarf zur Abänderung des Mietvertrages gebe, bis 30.9.
2007 laufe dieser und danach werde man ortsübliche Mieten
geltend machen. (Dies würde pro qm zwischen 5,- und 10,-
€ liegen = die Miete würde sich dann von derzeit
51,13 € auf ca. 500,- € monatlich steigern lassen)
Es kommt hier bereits der Verdacht auf, dass die Stadt an
einer Fortsetzung des Mietvertrages nach 2007 nicht interessiert
scheint.
24. Im Oktober 2004 wird ein Antrag an den Kulturausschuss
der Stadt gestellt, worin um die mietfreie Nutzung der Räumlichkeiten
per 1.1.2005 gebeten wird, da das Museum mit niedrigen Besucherzahlen
zu kämpfen hat und alle Projektarbeit (sie machte 50
% der Einnahmen aus) durch Verbote seitens der Stadt still
gelegt wurde. Das Museum wird seit seiner Eröffnung nur
aus den Eintrittsgeldern finanziert. Ebenso wurde nochmals
um die vorzeitige Verlängerung des Mietvertrages gebeten.
Der Antrag wurde im Kulturausschuss besprochen, jedoch an
Verhandlungen hierzu zuforderst Forderungen an die Museumseigentümer
gestellt: Durchgang zu den oberen Etagen durch die dortigen
Mieter (Vereine) und deren Gäste durch das Schmiedemuseum,
Gewährleistung von längeren Öffnungszeiten
des Museums, Zusammenarbeit mit dem kommunalen Museum und
Schaffung eines „Museum“ in den Räumlichkeiten
des Museums durch eine veränderte inhaltliche Arbeit
des Museums (dies erinnerte an die Forderungen von 1996 bezüglich
der Obergeschosse).
25. Es gab zwar Gespräche mit dem Kulturausschussvorsitzenden
und dem Kulturamt, aber es kam hier zu keinen weiteren Ergebnissen,
da man Forderungen an das Museum stellte, die aus Kosten-
und sicherheitsrelevanten Gründen nicht umsetzbar sind.
Das Museum hat regelmäßig samstags von 10.00 bis
14.00 Uhr geöffnet, da sich zu diesem Zeitpunkt Museumsbesucher
einfinden sowie oft zusätzlich nach freier und flexibler
Entscheidung je nach Wetter und Besucherlage in der Stadt.
Eine weitere Öffnung auf privater Basis zu realisieren
ist ohne Kostenbeteiligung seitens der Kommune nicht realisierbar.
Diese jedoch von der Kommune zu bekommen, ist nicht denkbar.
Es kommt also auch in diesem Anlauf nicht zur Verlängerung
des Mietvertrages. Es wird allerdings der Hinweis gegeben,
dass die Forderung des Kulturausschusses, eine inhaltliche
Veränderung im Museum zu bewirken dahingehend ausgelegt
werden könnte, dass diese eine Basis für weitere
bauliche Veränderungen im Hofbereich sein könnten
und dies gegenüber der Baubehörde so dargestellt
werden sollte.
26. Es folgt ein erneutes Anschreiben vom Museum an die Baubehörde,
mit der Bitte hier vor Ort eine Beratung vom Vermieter zu
erhalten, um die Arbeit mit den Schülern wieder in Räumlichkeiten
umsetzen zu können, die auch widrigsten Witterungen stand
halten. (Die Schmiede hat im Herbst und Winter Außentemperaturen
und ist nicht beheizbar). Drei Monate dauert es, bis eine
Antwort kommt, die keinerlei Bezug auf die Anfrage nimmt,
sondern nur lapidar die Forderungen des Kulturausschusses
bezüglich der Museumsarbeit wiederholt.
27. Anfang 2006 wurden alle Fraktionen im Wernigeröder
Stadtparlament von den Museumsbetreibern schriftlich gebeten,
sich in die verfahrene Situation einzubringen und dafür
Sorge zu tragen, dass diese lokale Stätte der Kultur
und Geschichtsbewahrung erhalten bleibt und dies seitens der
Stadt durch eine Mietvertragsverlängerung unter bestehenden
Bedingungen sichergestellt wird. Hierauf erfolgte bis heute
keine Reaktion. Es wurde gleichwohl den Stadträten verdeutlicht,
dass es Kräfte gibt ( vermutlich u.a. Mieter im Hause),
welche aktiv daran arbeiten das Museum aus dem Haus zu vertreiben
und einen erneuten Mietvertrag zu verhindern. Man vergaß
bei dieser treibenden Kraft, dass das Museum privat ist und
wenn es schließt sämtliche Musealien und Zeitzeugnisse
mitgenommen werden. Dann ist das Haus gesichts- und geschichtslos.
28. Im April 2006 drängten die Museumsbetreiber im Kulturamt
der Stadt auf ein Gespräch mit dem Wernigeröder
Bürgermeister bzw. zu einer Themendiskussion in der lokalen
Dezernentenrunde. Dies wird seitens der Stadt gewährt,
mit dem Ergebnis, dass die Arbeit und das Sammlungskonzept
des Museums in Frage gestellt werden und dem Museum erst einmal
empfohlen wird, alles zu sammeln und zu systematisieren. Man
hatte vergessen, dass das Museum im Originalzustand der Epoche
1945 - 55 und nicht mit weißer Wand und Vitrine gezeigt
wird. Aber das kommt davon, wenn man sich diese Einrichtung
das letzte Mal vor vielen Jahren angesehen hat und dann auch
nicht über das museologische Konzept mit dem Betreibern
spricht. Wiederholt wird vor einer weiteren Mietvertragsverhandlung
seitens der Stadt der freie Durchgang durch die Erdgeschosszone
für die oberen Mietparteien gefordert. Es bleibt wiederholt
unbeachtet, dass das Museum eine Erwerbsquelle ist und jeder
der reinkommt Eintritt zahlen muss, da von den Einnahmen die
Miete an die Stadt und die Fixkosten bestritten werden müssen.
Weiterhin ist es unmöglich, der Stadtverwaltung die sicherheitstechnischen
Probleme verständlich zu machen, da sie einfach davon
ausgeht, dass nichts geklaut werden könnte, wenn unten
ein freier Zugang ermöglicht würde. Aus versicherungs-
und haftungsrechtlichen Gründen ist ein offenes Museum
nicht tragbar.
29. Unterdessen werden seit 2004 wieder verstärkte Projekte
mit den Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Landkreisen
realisiert. Insbesondere die Arbeit mit Sonder- und Förderschülern
bekommt einen erhöhten Stellenwert, da die Teilnehmer
durch die aktive praktische Arbeit mit ihren Tast- und Sinnesfunktionen
Geschichte erlebbar vermittelt bekommen. Diese Veranstaltungen
werden allerdings nur teilweise während der Sommermonate)
im Museum, sonst jedoch in den Schulen realisiert.
30. Während der o.g. Dezernentenrunde wird gegenüber
den Museums-eigentümern wiederholt vom Oberbürgermeister
Art und Weise der Museumstätigkeit kritisiert und unter
anderem angedeutet, dass nur bei einer veränderten Haltung
seitens der Museumsbetreiber hinsichtlich der Durchgangsfrage
eine Mietverlängerung in Frage käme. Die Zustandsform
des Hofgeländes werden seitens der Stadtverwaltung kritisiert.
Daraufhin erwidern die Museumseigentümer, dass seit Jahren
auf die baulichen Gefahren, welche vom Nachbargebäude
ausgehen hingewiesen wurde und sich bis zum jetzigen Zeitpunkt
nichts getan hätte. Dies wird seitens des Oberbürgermeisters
an das zuständige Baudezernat weitergeleitet, allerdings
getan hat sich bis heute immer noch nichts.
31. Auf Empfehlung des Oberbürgermeisters soll es eine
Gesprächsrunde zwischen Kulturamt, den Museumseigentümern
und den weiteren Vereinen im Haus Breite Straße 95 durchgeführt
werden. Hierbei geht es um die Frage, gewährt das Museum
den Durchgang, dann könnte man über einen Mietvertragsverlängerung
reden oder nicht. Bis zum September 2006 sollen diese Fragen
geklärt werden und in der ersten Stadtratssitzung nach
den Sommerferien durch die Abgeordneten über den Mietvertrag
entschieden werden.
32. Daraufhin kam es am 28. April 2006 zum ersten und am 31.
Mai zum zweiten Gespräch zwischen den Mietern im Haus
und dem Kulturamt. Die anderen Mieter drängen bei beiden
Treffen auf den freien Zugang durch das Museum und wenn das
nicht ginge, dann könnte und würde man das Haus
auch ohne das Museum zu nutzen wissen. Allerdings wird eingeräumt,
dass in keinem der beteiligten Vereine Fach- oder Personalkräfte
da wären, die dies auch später umsetzen könnten
und die eine qualitative und quanti-tative Öffnung des
Hauses über 10 bis 15 Jahre gewährleisten können,
so wie es die Museumsbetreiber garantieren (bezogen allerdings
nur auf den Erdgeschossbereich der Schmiede mit dem angeschlossenen
Hof). Insbesondere der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.
V. arbeitet den Bestrebungen des Museums entgegen seine Arbeiten
als private Institution fortzusetzen, da es von dortiger Seite
Vorstellungen gibt, das gesamte Haus (u.a. über 1-Euro
Kräfte) selber zu bewirtschaften.
33. In all den Verhandlungen wird von Seiten des Museums auf
die rechtlichen Bedenken hingewiesen und es zeichnet sich
ab, dass dies niemand verstehen will oder kann. Die Aussage
seitens des Kulturamtes, den Juristen der Stadt mit der Klärung
haftungsrechtlicher Fragen zu beauftragen, immerhin müssten
bei einem öffentlichen Durchgang der anderen Mieter und
ihrer Gäste Versicherungsfragen geklärt sein, endet
dahingehend, dass der Jurist keine einwandfreie Klärung
herbeiführen kann, wer denn für Haftungsschäden
aufkommt, da das Museum eine privat geführte Einrichtung
ist. Auch die Frage einer höheren Öffnungszeit ist
nicht zu diskutieren, da sonst in dem 1-Mann Museum die Archivierungs-,
Forschungs- und vor allem die Projektarbeit mit Kindern und
Jugendlichen gegen Null gefahren werden müsste, obschon
nicht gesichert ist, dass hierdurch mehr Museumsbesucher kommen
würden.
34. Es fällt schwer nachzuvollziehen, warum eine Kommune
ihre eigene Kultur, welche auch noch privat initiiert und
getragen wird, derart boykottiert und in ihrer Existenz behindert.
35. Während das Museum während dieser Gespräche
Kooperationsgedanken zwischen den einzelnen Mietern im Haus
vorgetragen hat, kam von keinem anderen Mieter ein Vorschlag
für eine inhaltliche Zusammenarbeit. Es wurde von allen
Parteien nur der freie Durchgang durch die Museumszone gefordert.
36. Im Protokoll der Sitzung vom 31. 05. 2006 wird jedoch
ein Ergebnis niedergeschrieben, es soll im Juli 06 noch Gespräche
im geschlossenen Beratungsteil des Wernigeröder Kulturausschusses
geben, zu der nur die Museumsbetreiber hinzugeladen werden,
um noch einmal gegenüber den Abgeordneten Rede und Antwort
zu stehen. Allerdings zeichnet sich nicht ab, dass von dort
ein Umlenken erfolgt, denn alle wollen nur den Durch-gang
durch das Museum haben und das ist das einzige Mittel, um
eine Fortsetzung des Mietvertrages zu verhindern, denn das
Museum kann derartigen Bestrebungen nie zustimmen. Die Vermutung
taucht auf, dass es unter diesen Begebenheiten aber ein leichtes
sein wird, von städtischer Seite es so darzustellen,
dass „sie“ ja verlängern wollte, aber das
Museum einfach zu verbohrt war und nicht auf die „Wünsche“
der Stadt eingegangen ist. Anders formuliert, das durch einen
Diplom-Museologen aufgebaute und 16 Jahre unterhaltene Museum
sollte nicht seinen verbohrten museologischen Vorstellungen
nachstreben, sondern sich der „öffentlichen“
(städtischen)Vorstellung unterwerfen. (Nur bemerkenswert,
die Besucher des Museums sind gerade von dieser authentischen
und museologisch durchdachten Geschichtsdarstellung so begeistert.)
37. Schlussfolgerung zu diesem Zeitpunkt: Die Suche nach einer
anderen Ausstellungsstätte entbehrt fast jeder Diskussion,
weil nur hier vor Ort rund 300 Jahre in Familientradition
dieses Handwerk der Schmiede ausgeübt wurde und es somit
die älteste noch funktionstüchtig erhaltene Schmiede
Deutschlands ist. Somit wird es, auch wenn es museologischen
Prinzipien widerspricht, zur kompletten Beräumung der
heutigen Museumsfläche kommen, denn ein Einlenken von
kommunaler Seite scheint aussichtslos.
38. Am 03.07.06 findet diese Kulturausschusssitzung statt,
zu der die Museumseigentümer lt. Protokoll der Beratung
vom 31. 05. 06 eingeladen sind, um Rede und Antwort zu stehen.
39. Der Diplom-Museologe Peter Nüchterlein bekommt zu
Beginn des geschlossenen Teils die Gelegenheit einer kurzen
Ansprache. Im geschlossenen Teil befindet sich allerdings
auch der Geschäftsführer des Landesheimatbundes
Sachsen-Anhalt e. V. als Außenstehender. Daraufhin wird
vom Museumsdirektor vorgetragen, dass die Stadträte eine
einmalige und unwiederbringliche Chance haben, durch ein positives
Votum hinsichtlich der Verlängerung des Mietvertrages
unter den bestehenden Konditionen dieses einzigartige Museum
in seinem Bestand vor Ort zu erhalten. Das Museum hat seit
vielen Jahren ein breites Spektrum an Angeboten realisiert,
von der Forschung über die Projektarbeit als außerschulischer
Lernort bis hin zur Öffnung des Museums für die
Öffentlichkeit. Dies wurde alles auf der Basis von persönlicher
Freizeit, bürgerlichen Engagement und privater Finanzierung
realisiert.
40. Auf die Frage des Ausschussvorsitzenden, ob es Fragen
oder Erwiderungen gäbe erfolgte keine Reaktion seitens
der Stadträte. Merkwürdiger Weise bekam im geschlossenen
Teil ein Außenstehender, welcher die Museumseigentümer
persönlich nicht kennt und vermutlich auch das Museum
noch nicht selber besucht hat, Rederecht. Der Geschäftführer
des LHB e.V. (Landesheimatbundes – ein institutionell
geförderter Verein, welcher für den Erhalt und die
Bewahrung von Kultur und Brauchtum in Sachsen-Anhalt zuständig
ist) meldete sich zu Wort und meinte, dass er gegen niemanden
reden und Krieg führen wollte, aber es müsse gesagt
werden, dass er seit 10 Monaten im Dienst (Dienstsitz Halle
a.d. Saale) sei und mittlerweile 20 mal vor Ort (in Wernigerode)
gewesen wäre, dass ihn aber die sporadische Öffnungszeit
(des Museums) verwundere, immerhin sei dieses Gebäude
das erste kulturelle Haus vor Ort. Man sei ja auch aktiv im
Haus und dies würde noch viel besser gehen, wenn man
durch den Hauptdurchgang im Erdgeschoss und nicht über
die bisherige Treppenlösung im Hof gehen könnte.
Über den weiteren Verlauf des geschlossenen Sitzungsteils
und das Votum der Abgeordneten pro oder kontra, wurde den
Betreiber des Schmiedemuseum „Krell´sche Schmiede“®
nie etwas bekannt.
41. Am 18. 07.06 kam dann über das Amt 40, Amt für
Kultur, Schule und Sport ein Brief des Herrn Oberbürgermeister,
worin er mitteilt, dass die Stadt den seit 1992 bestehenden
Mietvertrag über die Ablauffrist vom 30. 09. 2007 nicht
weiter verlängert. Die Betreiber haben zu diesem Zeitpunkt
die gesamte Räumlichkeit des heutigen Museums geräumt
zu übergeben.
Lesen sie hier
den Originalbrief (PDF-Dokument)
42. Es ist somit eingetreten, was sich seit 2002 abzeichnete.
43. Allerdings gibt die Chronologie und inhaltliche Abfolge
der Aktivitäten seitens der Stadt Wernigerode deutlich
zu denken.
44. Betrachtet man das Umfeld dieser Entscheidungen, so lassen
sich Vermutungen anstellen, deren quellenmäßige
Belegung noch weiter zu hinterfragen sind. Welche unrühmliche
Rolle spielt der Landesheimatbund, welcher im Vorfeld mit
der Stadt und vermutlich weiteren Dritten Verhandlungen zur
weiteren Hausnutzung und der Übernahme des Gesamthauses
geführt hat. Es sei die Frage erlaubt, ob der Landesheimatbund
e. V. mit seiner Haltung nicht gegen seine eigene Satzung
verstoßen hat, in Sachsen-Anhalt bürgerschaftliches
Engagement und Kultur zu erhalten, statt sie der Vernichtung
preiszugeben? Eine weitere Frage dürfte sicherlich bei
der Landesregierung in Magdeburg auftauchen. Hier wurden im
Jahr 1996 ca. 2 Mio. DM an Landesmitteln aufgewendet, um der
in diesem Haus befindlichen kulturellen und musealen Institution
(das Schmiedemuseum) aus baulicher Sicht langfristig Bestand
zu geben. Nun aber wird die Einrichtung herausgedrängt,
welche über 16 Jahre dem Haus Inhalt und Ausdruck gegeben
hat. Ist dies eine Entscheidung im Sinne der Steuerzahler?
45. Schlussendlich werden sich vielleicht nur einige wenige
für das Museum und seinen Fortbestand einsetzen, und
dies schafft ein Armutszeugnis für die Stadt Wernigerode,
welche sich den Erhalt und die Bewahrung von Kultur und Tradition
einst zum Ziel gesetzt hatte. Es dürfte damit die Chance
vergeben sein, in Deutschlands ältester Schmiede, den
Originalzustand einer geschichtsträchtigen Epoche (1945
– 1955) für die kommenden Generationen zu erhalten,
denn wenn die jetzigen Museumsbetreiber gehen, werden mit
Ihnen nicht nur die gesammelten Musealien verloren gehen,
sondern auch Personen, welche sich der Bewahrung regionaler
Alltagsgeschichtliche und Brauchtumspflege verschrieben haben.
Bedenklich ist, dass mit der Vernichtung kultureller Werte
einer Region Teile ihrer Identität genommen werden.
46. Für das Museum wird ein Weggang aus Deutschland nicht
ausgeschlossen bleiben, da es in anderen Regionen vielleicht
mehr Aufmerksamkeit und Interesse am Erhalt einer derart historischen
Sammlung gibt.
Nun zum Abschluss möchten wir als Museumsbetreiber uns
bei all denen bedanken, welche die Arbeit des Museums in den
letzten Jahren aktiv unterstützt haben und hoffen, dass
die nachfolgende Generation ihre Vorfahren und deren Entscheidungen
zu diesem Thema mit kritischeren Augen betrachten, wie man
einst so kleinbürgerlich und provinziell denken und handeln
konnte.
| Rudolf Nüchterlein |
Diplom-Museologe Peter Nüchterlein |
| Wernigerode im August 2006 |
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